Frieden, Bildung und Flucht zusammendenken

15. März 2018   ·   Uli Jäger, Anne Kruck, Dagmar Nolden

Flucht, Migration, Krisenprävention und Konfliktbearbeitung sind eng miteinander verknüpft. Die neue Bundesregierung sollte Friedensbildung in Schulen fördern, Rückkehrern dabei helfen, einen positiven Beitrag zu Frieden in ihren Heimatländern zu leisten und den Zugang zu konfliktsensitiven Bildungssystemen in Krisen- und Konfliktregionen gewährleisten.

Die Themen Friedensförderung, Bildung sowie Flucht und Migration gehören eng zusammen. Das hat sich in den zurückliegenden Jahren deutlich gezeigt. Systematisch durchgeführte Friedensbildungsmaßnahmen in Deutschland und den Krisenregionen dieser Erde sind ein wichtiges Instrument in diesem Bereich. Sie unterstützen Strukturen für konfliktsensitive Bildungssysteme, ermutigen und qualifizieren Menschen zu einem nachhaltigen Friedensengagement in ihren Herkunfts- und Gastländern. Durch Netzwerkbildung wird der Kreislauf von tatsächlicher und wahrgenommener Ohnmacht, Hilflosigkeit und Isolation durchbrochen. Nach Ansicht der Berghof Foundation sind dafür drei Maßnahmenbündel von besonderer Relevanz. 

Friedensbildung an Schulen stärken

Junge Menschen sind angesichts der aktuellen internationalen Entwicklungen in den Bereichen Krieg und Frieden massiv verunsichert und benötigen Räume für eine qualifizierte und medienkompetente Auseinandersetzung. Die Beiträge Deutschlands zu Krisenprävention und Konfliktbearbeitung – wie auch in den Leitlinien „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“ dargestellt – sind ein wichtiges Themenfeld. Dafür muss die neue Bundesregierung die Friedensbildung an Schulen stärken.

Hierfür bildet der von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) veröffentlichte „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ eine geeignete Grundlage. Die Bundesregierung muss nun systematisch Anknüpfungspunkte für Friedensbildung in den Bildungsplänen der Länder erarbeiten, Vorschläge zur Umsetzung machen und die hierfür notwendigen Ressourcen bereitstellen.

Kapazitätsaufbau für Geflüchtete mit und ohne Bleiberecht

Viele Menschen haben in den vergangenen Jahren in Deutschland Schutz vor Kriegsgewalt und Verfolgung nach Art.1 der Genfer Flüchtlingskonvention gesucht. Einige von ihnen werden mittel- und langfristig in ihre Heimatländer zurückkehren – sei es tatsächlich freiwillig oder im Zuge von Abschiebungen. Mit entsprechenden Fähigkeiten und Kompetenzen ausgestattet, können sie in ihren häufig von Zerstörung und fragiler Staatlichkeit geprägten Herkunftsländern zu Wiederaufbau, Sicherheit, einem friedlichen Miteinander und damit zu nachhaltiger Entwicklung beitragen.

Die Bundesregierung sollte daher in dieser Legislaturperiode Qualifizierungsmaßnahmen in ziviler Konflikttransformation, Friedenstiftung und nachhaltiger Entwicklung für Geflüchtete mit und insbesondere ohne Bleibeperspektive etablieren. Anknüpfend an das Rückkehrer-Programm „Perspektive Heimat“ des BMZ sollten die Bundesregierung und alle zuständigen Ressorts freiwillig Rückkehrende dabei unterstützen, sich gezielt in diesen Bereichen zu engagieren. Dafür ist die direkte Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteurinnen und Akteuren im Bereich der Friedenförderung und Entwicklungszusammenarbeit im In- und Ausland eine wichtige Voraussetzung. Anknüpfungspunkte hierfür finden sich sowohl im Koalitionsvertrag als auch in den Selbstverpflichtungen der Bundesregierung in den Leitlinien und in der Agenda 2030.

Konfliktsensitive Bildungssysteme auf- und ausbauen

Die Bundesregierung sollte die wechselseitigen Abhängigkeiten von Bildung und Frieden anerkennen, insbesondere die Schlüsselrolle von inklusiver, chancengerechter und hochwertiger Bildung (Sustainable Development Goal 4) für die Förderung von friedlichen und inklusiven Gesellschaften (Sustainable Development Goal 16). In Konflikt- und Krisenregionen sollte sie sich stärker für den Zugang von Menschen zu formaler und nonformaler Bildung einsetzen. Ein wesentlicher Schritt besteht in einer Erhöhung des deutschen Beitrags für die Globale Bildungspartnerschaft (GPE) von neun Millionen Euro auf perspektivisch mindestens 100 Millionen pro Jahr. Im Vergleich zu anderen Gebern wie Frankreich (2018-2020: 200 Mio.) oder England (2018-2020: umgerechnet 284 Mio.) ist Deutschlands derzeitiger zugesagter Beitrag verschwindend gering. Außerdem sollte sie Maßnahmen zum Schutz von Bildungsstätten wie Schulen und Universitäten in Krisen- und Konfliktregionen unterstützen, etwa durch die Unterzeichnung der „Safe Schools Declaration“.

Schließlich sollte die Bundesregierung ihre Förderung zum Auf- und Ausbau konfliktsensitiver Bildungssysteme in Konflikt- und Krisenregionen ressortübergreifend (BMBF, BMZ, AA) in einem Programm bündeln und ausweiten. Dazu gehören unter anderem die Unterstützung von Curricula- und Schulbuchreformen, die Begleitung von Prozessen zur Verankerung des Rechts auf gewaltfreie Erziehung und die Förderung von Friedensbildung. Für diese Maßnahmen sollte die Bundesregierung eng mit den Vereinten Nationen, mit Bildungsministerien der Partnerländer und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenarbeiten.

Entwicklungszusammenarbeit Friedensförderung Zivilgesellschaft Partner Kommunikation

Uli Jäger

Uli Jäger leitet das Programm der Berghof Foundation zu Friedenspädagogik und Globalem Lernen.

Anne Kruck

Anne Kruck ist Senior Programme Manager bei der Berghof Foundation.

Dagmar Nolden

Dagmar Nolden ist Project Manager bei der Berghof Foundation.